100 Jahre Heideruh
Gratulation des Landesvorstandes der VVN-BdA Niedersachsen e.V.
Der Landesvorstand der VVN-BdA Niedersachsen gratuliert ganz herzlich zum 100-jährigen Bestehen der „Antifaschistischen Erholungs- und Begegnungsstätte“ in Heideruh.
In diesen Jahrzehnten ist viel passiert. Gegründet 1926 in unruhigen Zeiten, die Vorboten der faschistischen Gefahr waren schon zu erkennen. Heideruh wurde der NS-Verwaltung zugesprochen, aber zum Glück gleich nach dem 2. Weltkrieg wieder den Antifaschisten übergeben.
Heideruh hatte oft mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Mittel wurden knapp, um z.B. die Heizung, die Umgestaltung der Räume, das Dach oder das Außengelände zu renovieren. Aber immer gab es Frauen und Männer, die dieses antifaschistische „Schmuckstück“ mit viel ehrenamtlicher Arbeit renoviert haben. Damit wurde es zu dem, wie es heute im „Glanz“ dasteht. Das ist nicht hoch genug anzuerkennen und zu würdigen.
Das Festjahr 2026 zeigt die ganze Bandbreite der antifaschistischen, demokratischen und solidarischen Vielfalt. Das Angebot in Heideruh ist lebendig wie eh und je.
Die VVN-BdA Niedersachsen ist begeistert von diesem außergewöhnlichen Engagement. Wir unterstützen diese wichtige und wertvolle Arbeit mit einer Spende.
Für die Zukunft wünschen wir weiterhin die Kraft, die vielen Aufgaben im antifaschistischen und demokratischen Sinn zu erfüllen. Die VVN-BdA Niedersachsen wird immer an Eurer Seite stehen.
Peter Baumeister, i.A. Landesvorstand VVN-BdA Niedersachsen e.V.
Kunstwerk „Willkommen in Europa“ zum 100. Geburtstag
Die VVN-BdA Niedersachsen freut sich, der antifaschistischen Erholungs- und Begegnungsstätte ein beziehungsreiches Geschenk zu machen. SOLIDARITÄT wird bei uns AntifaschistInnen großgeschrieben. Die Figureninstallation widerspiegelt unsere Solidarität mit Geflüchteten bei gleichzeitiger Anprangerung der europäischen Abschottungspolitik.
Über die Künstlerin
Mecki Hartung, Leuschnerstr. 26, 38444 Wolfsburg, 0157 - 7727 1986
• geb. 1949 Lahr/ Baden
• 1968 – 1973 Studium am Institut für Malerei und Grafik Marburg sowie an der SHFBK Braunschweig. Hier vor allem durch Prof. Dr. Richard Hiepe entscheidende Entwicklung (Verbindung von gestaltender Praxis und materialistischer Theorie/ „Kunst als Waffe“)
• 1974-2007 Lehrerin in Hessen und Niedersachsen an Gymnasium und Integrierten Gesamtschulen
• politisches Engagement auf vielen Ebenen (Kommune und Land) und in vielen Bereichen (z.B. Gewerkschaft, Bildung, Antifaschismus, Flüchtlingsarbeit)
• Anstoß für meine kreativen Arbeiten sind die unhaltbaren Zustände in unserem Land und außerhalb sowie die gleichzeitige Zuneigung und Hinwendung zu den „Letzten“ in unserer Gesellschaft wie zu Geflüchteten.
• Gestaltungsmittel sind Grafik/ Druckgrafik,
seit 2000 auch Bildhauerei

Seit den 1990er Jahren engagiere ich mich für Geflüchtete, organisiert in der Flüchtlingshilfe Wolfsburg e.V. So entstand die Idee, den Widerspruch zwischen propagierter Willkommenskultur und AsylbewerberInnen-Realität künstlerisch zu thematisieren. Ausgangspunkt sind Fotos.
Die hier aufgestellte Figurengruppe symbolisiert durch verschiedene Materialien (roter Sandstein, weißer Kalkstein, roter Ton) und ‚unterschiedliche‘ Menschen (Frauen, Männer – mit und ohne Kind, zwei Muslima, eine junge Frau ohne Kopftuch) stellvertretend die Vielfalt der Menschen, die hier Schutz suchen.

"Willkommen in Europa": 2023 in Bielsko-Biala (Polen) ausgestellt.
Ursprünglich laufen diese Geflüchteten auf Original NATO-Draht zu. Aus Sicherheitsgründen muss hier in Heideruh eine nicht verletzungsgefährdende Form realisiert werden.
Wie entsteht eine der Skulpturen?
Fotos wie dieses hier berühren und ergreifen mich. Ich sehe in die Augen der Menschen – was denken und fühlen sie? Welche Situation treibt erwachsene Männer geduckt, ein wohl krankes, frierendes Kind tragend und schützend, in Eile einen steilen Hang hinauf, hinter ihnen unten brausendes Wasser – die Büsche sind kahl ...? Aus der oben verlinkten Fotografie löse ich eine Figur heraus – eine junge Frau mit Kind geht geradeaus, schaut seitlich achtsam ungewiss zum Polizisten. Sie werde ich gestalten.

Aus Ton forme ich eine etwa 20 cm hohe Figur als Modell.

Der Thüster Kalkstein wird mit Keilen aufgestellt.

Die spätere Standfläche (hier rechts auf dem Foto) entsteht.

Der Stein wird entsprechend dem Modell ausgerichtet.

Arbeit am Stein: Das gleichmäßige Klopfen (toktok, toktok, toktok….) mit dem 800 g schweren Hammer auf das Eisen, mit dem nur sehr kleine Stücke vom Stein fliegen, ist ein fast meditativer Vorgang. Er ist Ausgleich zu meinem ansonsten meist hektischen politischen Leben.

Korrektiv von allen Seiten, auch von oben, ist immer wieder das Modell (so sitzt der Kopf mit zusammengefasstem Haar nicht etwa in der Mitte des Steins, sondern im hinteren Drittel).

In meiner Vorstellung ist die Figur im Stein ‚gefangen‘. Sie wartet auf meine ‚Befreiung‘. Der Kopf ist schon sichtbar.

Kontakt