Mitteilungsblatt der VVN/BdA Niedersachsen

Befreiungsfest: Guter Auftakt für gemeinsame Aktionen

Antifaschisten aus der Deisterregion feierten 8. Mai

Anlässlich des 65. Jahrestags der Befreiung vom Faschismus veranstaltete die VVN/BdA aus Wennigsen/Deister zusammen mit den DGB-Ortskartell Wennigsen am 8. Mai das erste Wennigser Friedens- und Befreiungsfest. Unterstützt wurde die Veranstaltung vom DGB Barsinghausen, den Wennigser Jusos, dem Bündnis "Bad Nenndorf ist bunt", der Linken Barsinghausen sowie dem unabhängigen Jugendzentrum Falkenkeller.

Mit über 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Gedenkveranstaltung am Mahnmal für die Opfer von Faschismus und Krieg und beim anschließenden Fest wurden die Erwartungen der Veranstalter übertroffen. Die Teilnehmer kamen überwiegend aus dem Deisterbereich, vereinzelt aber auch aus dem 50 Kilometer entfernten Rinteln.

Bei der Gedenkveranstaltung sprachen der SPD-Landtagsabgeordnete Heiner Aller sowie der Regionsabgeordnete Stefan Müller von der Linkspartei kurze Grußworte, bevor der Hauptredner Helge Kister vom Arbeitskreis Regionalgeschichte den 8. Mai als Befreiungstag würdigte und faktenreich über die Zeit des Kriegsendes in Wennigsen und Umgebung referierte. Dabei merkte er kritisch an, dass in der Wennigser Chronik die Zeit von 1933 bis 1945 nicht nur im wesentlich ausgespart, sondern mit Hinweis auf abnehmende Arbeitslosenzahlen nach 1933 sogar positiv bewertet wurde.

Nach der Gesteckniederlegung und dem gemeinsamen Singen des Moorsoldaten-Liedes zogen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einer "Spontandemo" durch den Ort zum AWO-Gebäude, in dem die Veranstaltung auf Grund der kühlen Temperaturen fortgesetzt wurde.

Hier informierte Jürgen Uebel vom Bündnis "Bad Nenndorf ist bunt" über die Naziaufmärsche der letzten Jahre zum Winklerbad und wies warnend auf die immer größere Bedeutung Bad Nenndorfs für die neofaschistische Szene hin.

Inzwischen wird der "Heuchlermarsch" zum Winklerbad immer mehr zur Ersatzveranstaltung für das verbotene Hess-Gedenken in Wunsiedel und hat bereits bundesweite bzw. sogar europaweite Bedeutung für die rechte Szene.

Der Aufruf, dem rechten Aufmarsch am 14.8. entschieden entgegen zu treten und nach Möglichkeit zu verhindern, wurde von allen Anwesenden unterstützt, auch wenn zu Recht darauf hingewiesen wurde, dass Bad Nenndorf nicht mit Dresden oder Berlin vergleichbar sei.

Bei Grillwurst und veganem Chili ergaben sich an den Tischen und den verschiedenen Infoständen weitere, teilweise sehr lebhafte Diskussionen und der erwünschte Informationsaustausch unter den verschiedenen politischen und gewerkschaftlichen Gruppen fand reges Interesse.

Im Vorfeld hatte es von Seiten der Gemeinde-SPD "Störmanöver" unter Hinweis auf den gegen die VVN gerichteten Unvereinbarkeitsbeschluss von 1947 gegeben, die aber durch die Teilnahme des MdL Heiner Aller sowie diverser SPD-Mitglieder konterkariert wurden. Inzwischen hat sich aber bei einigen, wohl hervorgerufen durch das gelungene Fest und die allseits positive Berichterstattung in der lokalen Presse, doch etwas verändert.

So wollen die Jusos des SPD OV Wennigsen beim nächsten Bundesparteitag den Antrag einbringen, den Unvereinbarkeitsbeschluss aus der Zeit des kalten Krieges aufzuheben.

hr


Lüneburgs NS-Geschichte

"Bestrafte Liebe"

Unter dem Titel "Für eine Liebe so bestraft ..." hat die Lüneburger Kreisvereinigung der VVN/BdA jetzt eine weitere Schrift zur örtlichen NS-Stadtgeschichte herausgebracht. Diese Broschüre wurde am 8. März, dem Internationalen Frauentag, bei einer Veranstaltung vorgestellt.

In der Broschüre wird die Verfolgung und Verurteilung vieler Frauen der Lüneburger Region dargestellt, deren "Verbrechen " darin bestand, einen nicht-deutschen Mann zu lieben. Sie lebten im Privaten Menschlichkeit in unmenschlicher Umgebung. Unglaublich, welche Energie viele Bürger der Region aufbrachten, um diese Liebesverhältnisse zu unterbinden und zu ahnden, wie tief verwurzelt der rassistische Hass und die Volksgemeinschaftsideologie in der Gedankenwelt dieser "netten Nachbarn" saß. Für alle diese Verfolgungstäter gab es Handlungsalternativen selbst im NS-System, die sie aber bewusst nicht nutzen wollten. Auch für die Lüneburger NS-Justiz, die Staatsanwälte und Richter, gab es Alternativen. Aber nicht eines der aufgeführten Urteile gegen diese Frauen wurde wegen "besonderer Milde" mittels einer Nichtigkeitsbeschwerde aufgehoben oder in einer Revision kassiert. Im Gegenteil: Es wurde sogar über das vorgesehene Strafmaß hinaus abgeurteilt mit Begründungen wie dieser: "Schließlich ist in hohem Maße belastend für sie, dass sie sich mit einem Polen abgab. Die Minderwertigkeit dieses Volksstammes ... ist allgemein bekannt und eine deutsche Frau darf sich mit einem Polen nicht auf eine Stufe stellen." Die Justiztäter wurden nach 1945 nicht belangt, sondern blieben im Gerichtswesen tätig - vielfach in Lüneburg.

Die Broschüre ist für 3 Euro bei der VVN/BdA Lüneburg erhältlich, Infos unter www.vvn-bda-lg.de.


Schüler gestalteten Feierstunde

Peine: 10. Klasse der Bodenstedt-Wilhelmschule wurde aktiv

Eine besondere Veranstaltung zum "Tag der Befreiung" am 8. Mai fand in Peine-Herzberg am Ehrenmal der VVN - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten statt. Schülerinnen und Schüler einer 10. Klasse der Peiner Bodenstedt-Wilhelmschule gestalteten diese beeindruckende Feierstunde.

Nach den Klängen von Xavier Naidoo "Halte durch" entrollten die jungen Menschen ein Plakat, auf dem z.B. die Worte "Tausend kleine Tränen" und "Es wird alles vorbei gehen, wenn wir füreinander einstehen", standen. Auch hatten sie Eindrücke zusammengefasst, die sie aus Interviews mit Überlebenden des Zweiten Weltkrieges gewonnen hatten. Für ihre Wünsche an die Angehörigen und für ein Leben ohne Faschismus zündeten die Jugendlichen Kerzen an und luden die Anwesenden ein, es ihnen gleich zu tun. Diese formulierten ebenfalls ihre Gedanken zur faschistischen Gefahr, gegen Neonazismus und für den Frieden, ehe sie die Kerzen abstellten. Einige Tage vorher hatten die jungen Menschen in der örtlichen Zeitung auf einer ganzen Seite, der "jups", Artikel zum 8. Mai veröffentlicht.

Zuvor hatte die stellvertretende Landrätin Doris Meyermann (Grüne) vor den etwa 40 Anwesenden das Engagement der Schülerinnen und Schüler gelobt. Sie warnte eindringlich vor den zunehmenden Aktivitäten der Nazis und wies auf den militärischen Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan hin. In den letzten Jahren hatten Peiner Persönlichkeiten wie der Ehrenbürger und ehemalige Stadtdirektor Dr. Willy Boß, Dr. Kurt Stähler, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Salzgitter AG oder die Superintendentin Christa Gerts-Isermeyer die Ansprachen gehalten.

Der Kreisvorsitzende der Peiner VVN/BdA Peter Baumeister freute sich ebenfalls über die Aktivitäten seiner ehemaligen Schüler mit den Lehrerinnen Annette Beutner und Inga Laufer. Er sagte, es sei "das bewegendste Gedenken" und hoffe, "dass die Beteiligung von Jugendlichen zu einer festen Einrichtung wird".

Musikalisch wurde die Veranstaltung von Gewerkschaftssekretär Horst Redemann umrahmt, der zum Schluss das Lied der Moorsoldaten anstimmte. Danach legten die Vertreter von Parteien, Stadt und Landkreis sowie anderer Institutionen Kränze nieder.

P.B.